Verehrte Leser, was ist eine menschenverachtende, zutiefst zynische, rechtszerstörende, gewaltbefürwortende, abstoßende und ekelhafte Argumentation? Ja, genau – die Meinungsäußerung oder Handlungsweise eines anderen Menschen damit zu „erklären“, dass die Person einem bestimmten Geschlecht angehört.

Beispielsweise ist es eine menschenverachtende Herabwürdigung der personalen Würde, wenn jemand äußert, gewisse Verhaltensweisen eines portugiesischen Fußballspielers seien „hormongesteuert“. Fast schon verfassungswidrig ist es auch zu behaupten, Redakteure gewisser Magazine für Männerspaß dächten eher mit dem Unterleib als mit dem Gehirn. Eine Menschenrechtsverletzung ersten Ranges schließlich ist der Hinweis, in der Diskussion über das Sexualstrafrecht würden von manchen Personen gelegentlich Argumente allein deshalb vertreten, weil sie Männer sind.

All das würden Feministinnen – also die Guten (!) unter uns – niemals tun. Keiner Journalist_In würde es je einfallen zu schreiben, irgendein Schmierencasanova sei „testosterongesteuert“. Und – Sie werden es nicht glauben, liebe Leser – noch nie hat zum Beispiel eine Journalistin das Tun, Lassen oder Äußern von Herrn Dieter Bohlen oder von Herrn Gerhard Schröder schon einmal mit „Hormonen“ in Verbindung gebracht! Das wäre doch sexistisch!

Und es gibt noch schlimmere Verbrechen des Kolumnistentums. Zum Beispiel frech zu behaupten, die berufliche Tätigkeit eines Baustellen-Klo-Aufstellers bestehe darin, fremde Fäkalien einzusammeln und zu entsorgen. Oder zu behaupten, die Berufstätigkeit einer Prostituierten bestehe darin, gegen Entgelt fremde Geschlechtsteile in sich eindringen zu lassen. Die allerschlimmste Menschenverachtung aber ist es zu sagen, die Berufstätigkeit einer Person bestehe überwiegend darin, ihre künstlich stark vergrößerten sekundären Geschlechtsmerkmale vorzuzeigen und fotografieren zu lassen. Dies ist dem Model Lohfink, nach zahllosen Detailbeschreibungen in der Lohfink-Presse, nun auch in dieser Kolumne widerfahren. Die Betroffenheit der Menschenfreundinnen ist unermesslich.

Der Kolumnist freilich hat niemals das Geringste gegen Klo-Aufsteller, Prostituierte oder Busenwunder gehabt oder geäußert. Er meint, dass es darunter etwa genauso viele gute und auch schlechte Menschen gibt wie unter Redakteuren oder Richtern. Nicht die Brustvorzeigerin ist pervers, sondern die Gesellschaft, die sie dazu macht (in memoriam Rosa von Praunheim). Nicht das Einkommen der Brustvorzeigerin ist verächtlich, sondern die moralinverseucht-spießige Widersprüchlichkeit von Geilheit und Verachtung, die unsere Gesellschaft – Männer wie Frauen – pflegt und die solch schöne Berufe hervorbringt.